Mittwoch, 9. Juni 2010

Quantensprünge sind nicht groß

Politiker tun es genauso wie Vorstandsvorsitzende großer Weltkonzerne, Ingenieure gebrauchen es wie Künstler. Die Rede ist von dem schönen Wort Quantensprung. Sein Gebrauch ist fast schon inflationär zu nennen. An sich nicht weiter schlimm. Würden die Nutzer dieses Wortes aber den wahren Sinn des Begriffes kennen, würden sie ihn wohl schnell in der hintersten Ecke ihres Wortschatzes verschwinden lassen.

Das Wort Quantensprung hat viel von seiner eigentlichen Bedeutung in der Umgangssprache eingebüßt
In der Umgangssprache hat sich der Quantensprung mit den Jahrzehnten, seit seiner Einführung, immer mehr zu einem Synonym für große, sich anbahnende Veränderungen entwickelt. So ist zum Beispiel oft die Rede von einem Quantensprung, wenn ein neuer technologischer Standard erreicht wird, wie beispielsweise die Einführung des MP3-Formates vor einigen Jahren. Genauso wird dieses Wort von Wirtschaftsbossen gerne in den Mund genommen, wenn sie die Fusion mit einem Konkurrenten bekannt geben oder einen weitreichenden Unternehmensumbau. Gemeint ist dabei immer eine plötzlich auftretende, revolutionäre Veränderung des momentanen Zustands.

Quantensprünge finden in den kleinsten atomaren und subatomaren Systemen statt
Der Punkt des revolutionären Wandels geht auch noch immer einher mit dem ursprünglichen wissenschaftlichen Sinn des Wortes. Jedoch unterscheidet sich der Umfang in erheblichen Maße. Denn wer sich ein wenig mit Quantenmechanik auskennt weiß, dass sich Quantensprünge in den kleinsten atomaren und subatomaren Systemen abspielen, die die Physik kennt.

Quantensprünge beschreiben Zustandsänderungen in Systemen
Eingeführt wurde der Quantensprung als Beschreibung für den augenblicklichen Wechsel eines Systems von einem Zustand in einen Anderen. Absurderweise wird in der Umgangssprache mit dem Wort etwas Besonderes ausgedrückt. An sich ist der Quantensprung aber genau das Gegenteil - etwas vollkommen Normales und Alltägliches. Genau genommen sind Quantensprünge die einzig möglichen Zustandsänderungen innerhalb subatomarer Systeme. Sie finden in sehr kleinem Maßstab statt und haben keine größeren Auswirkungen auf übergeordnete Systeme. Quantensprünge sind also weder groß, noch außergewöhnlich oder gar weltbewegend.

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